Sich ein Bild machen

Montag, 8. November 2010

Der Ausdruck “sich ein Bild von etwas machen” meint nicht unbedingt, etwas zu fotografieren oder abzumalen, sondern es geht darum, etwas besser zu verstehen. Der Mensch denkt nicht nur in Worten, sondern er denkt auch viel in Bildern und diese helfen uns dabei, etwas besser zu verstehen.

Der Wert eines guten Fotos

“Ein Bild sagt mehr als tausend Worte” ist ebenfalls ein Sprichwort, das auf den Wert von Bildern für das menschliche Verständnis einer Sache verweist. Diesen Wert eines guten Fotos kennen auch die Psychoanalytiker. Ein Modell der Psychoanalyse im Internet beginnt mit der Wahl des Analytikers durch den Klienten. Zu diesem Zweck können die “Kunden” sich mit Hilfe von Fotos aussuchen, mit wem sie ihre Psychoanalyse erleben möchten. Die Bedeutung eines Bildes zur Auswahl haben die meisten von uns schon im alltäglichen Leben erfahren. Man kauft beispielsweise nicht gerne etwas unbesehen, beispielsweise wird auch ein Angebot bei Ebay durch ein beigefügtes Foto erst glaubwürdig. Das Bild eines Sessels sagt mir also mehr als tausend Worte, die ihn beschreiben und mir beantworten, ob der Designer Sessel in meine Wohnung passt. Umso besser das Foto desto klarer der Eindruck der Person oder des Objektes. Interessant im Hinblick auf Menschen ist es, dass es da nicht unbedingt aktuelle Fotos sind, die uns den klarsten Eindruck gewähren. Das Modell der Psychoanalyse, das ich bereits erwähnte, ermöglicht den Klienten zum Teil auch, Fotos aus der Kindheit einiger Analytiker zu sehen. Bei einem Objekt, das wir kaufen möchten, zählt der aktuelle Anblick natürlich mehr. Für Online-Shops sind also aktuelle Bilder wichtiger, während man ein menschliches Gegenüber durch dessen Entwicklung besser verstehen kann.

Du sollst Dir kein Bildnis machen

Verlassen wir kurz die Psychoanalyse und blicken in die Theologie. Das biblische Gebot, das dem Gläubigen untersagt, sich ein Bildnis von seinem Gott zu machen, versucht nicht, ein Verständnis Gottes durch den Menschen zu verhindern. Hier geht es vielmehr darum, dass ein Bildnis feststeht und sich daher nicht mehr bewegen bzw. verändern lässt. Als Fotograf weiß man auch, dass ein Foto nicht dauerhaft den Ist-Zustand von etwas oder jemandem festhält. In Bezug auf die Fotos von den Psychoanalytikern und auch von den erwähnten Waren der Online-Shops schmälert dies nicht die Verständnishilfe, die diese bieten. Es zeigt nur umso deutlicher, warum aktuelle Fotos wichtig sind, weil gerade sie den aktuellen Ist-Zustand beschreiben, nach dem Motto: Ich will wissen, wie der Sessel aussieht, den ich mir kaufe und nicht wie er früher ausgesehen hat.

Bild und Wort vereint

Ein Bild mag mehr sagen als tausend Worte, aber beides in Verbindung erklärt uns natürlich meist noch mehr. Man denke an Fotoalben, die nicht selten mit Bildunterschriften versehen werden, damit der Betrachter genau weiß oder sich erinnert, um was es auf dem Bild geht oder aus welchem Jahr es stammt. Auch Bildbände sind, häufig mit mehr Worten als nur Bildunterschriften, so aufgebaut und Biographien werden heutzutage ebenfalls gerne mit vielen Fotos versehen, damit der Leser sich ein besseres Bild von dem Menschen, um den es dabei geht, machen kann.

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